Kostenloses Depot? Gibt es das wirklich?

Die moderne Technik erlaubt es den Kunden, ihr Wertpapierdepot problemlos von Zuhause aus zu verwalten. Über PC und Smartphone-App bieten viele Broker und Banken ihren Service an. Doch wo bekommt man eigentlich ein wirklich kostenloses Depot?

Ein kostenloses Depot wird für viele Anleger immer interessanter

Mit Aktien, Anlagen und anderen Wertpapieren zu handeln, war lange Zeit nur etwas für Fachleute. Nicht von ungefähr zeigt die Statistik der Deutschen Bundesbank eine Portfoliostruktur, die von der anderer Länder deutlich abweicht. Während etwa in den USA der Großteil der Bankkunden selbstverständlich auch ein Wertpapierdepot (z. B. für die Altersvorsorge) besitzt, gilt die Börse in Deutschland immer noch als ein risikoreiches Unterfangen für Zocker oder Experten. Dass man auch dort relativ sicher eine vorzeigbare Rendite erzielen kann, ist vielen Verbrauchern gar nicht bekannt.

Tatsächlich bietet ETF-Trading und die Investition in Indexfonds keine signifikant höheren Risiken als das klassische Sparen, zieht aber mit langfristigen Renditen von bis zu 6 Prozent (inklusive Kursrückgängen in der Zwischenzeit!) dem Sparbuch oder herkömmlichen Festgeld- und Tagesgeldanlagen deutlich davon.

Während man dort aufgrund der Niedrigzinspolitik der Währungshüter momentan nicht einmal mehr einen Inflationsausgleich bekommt, überlegen immer mehr Kunden, sich ein Depot bei der Bank einzurichten. Die Frage, die sich schon zu Beginn stellt, ist die nach den Kosten.

Portfoliostruktur privater Haushalte in Deutschland
(Anteil der Haushalte in Prozent, Stand: 2017, Quelle: Deutsche Bundesbank)

  • Aktien: 11 %
  • Fondsanteile (ohne private Altersvorsorge): 16 %
  • Private Altersvorsorge insgesamt (inkl. Lebensversicherungen): 47 %

Die Zahlen beweisen, dass ein Umdenken bei der Altersvorsorge eingesetzt hat. Nahezu die Hälfte der Haushalte investiert auf die eine oder andere Weise in diesem Bereich, doch Fondsanteile und Aktien sind nicht einmal bei einem Fünftel der Haushalte üblich. Die Broker zielen darauf ab, immer mehr Kunden für die Wertpapieranlagen zu begeistern – und ein kostenloses Depot ist dafür sicherlich ein bestes Argument.

Video: Kostenloses Aktiendepot wirklich „kostenlos“ ?

Gibt es ein komplett kostenloses Depot eigentlich wirklich?

Ein komplett kostenloses Depot zu finden, ist sicherlich nicht einfach, aber abhängig vom Tradingverhalten gibt es das tatsächlich. Beim Handel mit Wertpapieren wird von der Rendite immer einiges abgezogen. Beim Vergleich zweier Depots, bei denen die gleichen Aktien zu gleichen Terminen und Konditionen gekauft und verkauft werden, können die Nettorenditen unter dem Strich je nach Anbieter stark variieren.

Die wichtigsten Kostenfaktoren sind:

  • Kosten pro Order
  • Depotverwaltungsgebühr (anteilig je Aktie)
  • Abgeltungssteuer

An der Abgeltungssteuer lässt sich auch nicht sparen, wenn man ein kostenloses Depot unterhält, denn hier wird jeder Anleger zur Kasse gebeten. Die Höhe der Kosten variiert in diesem Fall nicht, weil die Kursgewinne zu gleichen Bedingungen erzielt wurden. Anders sieht es bei den Orderkosten und der Depotverwaltungsgebühr aus. Hier lässt sich durch einen Vergleich tatsächlich eine Bank oder ein Broker finden, die ein kostenloses Depot anbieten. Die Depotgebühr wird bei vielen Anbietern inzwischen gar nicht mehr erhoben, sofern keine weiteren Dienstleistungen erwartet werden.

Diese Kostenstruktur richtet sich vor allem an Gelegenheits-Trader, die nur ab und zu Wertpapiere oder Fondsanteile erwerben. In diesem Bereich gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten. Ein komplett kostenloses Depot wäre es aber erst dann, wenn auch die Ordergebühren eingespart würden – und das gibt es in keinem Vergleich, denn das kostenlose Traden ist noch nicht erfunden. Allerdings gibt es verschiedene Modelle der Kostenstrukturen, mit denen die Bank oder der Trader um bestimmte Kundengruppen wirbt.

Es ist ein bisschen wie beim Handy: Je nach Nutzung kann eine Flatrate sich lohnen, wer aber nur sehr selten zum Trader wird, kommt eventuell mit einer volumenabhängigen Ordergebühr besser zurecht.

Man muss sich also in der Regel entscheiden zwischen:

  • Ordergebühren-Flatrates, bei denen ein Festpreis pro Order anfällt (unabhängig vom gehandelten Volumen), oder
  • prozentualen Ordergebühren, bei denen abhängig von der Höhe des Orderwerts ein bestimmter Prozentsatz zu entrichten ist

Beim prozentualen Modell, das bei den meisten Filialbanken und Sparkassen gängig ist, sind normalerweise Mindestbeträge und Höchstbeträge einzuhalten, die auf diese Weise gehandelt werden können. Eine Direktbank bietet hingegen oft andere Kostenmodelle an. Nicht vergessen sollte man außerdem, dass die Berechnung von Gebühren für Fonds anders ausfällt.

Wer Fondsanteile bei der Direktbank oder Hausbank erwirbt, muss ein sogenanntes Agio zahlen, also einen Ausgabeaufschlag, der abhängig von der jeweiligen Fondsgattung berechnet wird. Während für Aktienfonds ein Agio zwischen vier und sieben Prozent üblich ist, beträgt der Aufschlag für Rentenfonds etwa die Hälfte. Je nach Anbieter gibt es hierfür aber viele Rabattmodelle – und mancher Broker verzichtet sogar komplett darauf.

Gerade bei größeren Investitionen macht es natürlich eine Menge aus, ob man fünf Prozent extra zahlen muss – denn diese müssen bei der Rendite erst einmal wieder erwirtschaftet werden.

Ein komplett kostenloses Depot zu finden, ist sicherlich nicht einfach, aber abhängig vom Tradingverhalten gibt es das tatsächlich.

Ein komplett kostenloses Depot zu finden, ist sicherlich nicht einfach, aber abhängig vom Tradingverhalten gibt es das tatsächlich.(#01)

Gibt es also wirklich kein komplett kostenloses Depot für Wertpapiere?

Ausschlaggebend für die Kosten, die für ein Depot anfallen, ist in erster Linie das Kaufverhalten des Anlegers. Wenn man bei einer Direktbank ein kostenloses Depot eröffnen möchte, sind die Verwaltungsgebühren für Onlinedepots in der Regel kein Thema mehr, solange nur außerbörslich gehandelt wird. Außerdem gibt es sogenannte subventionierte Trades, die ein tatsächlich komplett kostenloses Anlegen ermöglichen, weil keine gesonderten Gebühren anfallen.

Auch bei den Fondsanteilen gibt es subventionierte Werte, für die kein Agio berechnet wird. Wenn hingegen Anleihen erworben werden, kann dies nicht außerbörslich erfolgen, wodurch in jedem Fall Transaktionsgebühren anfallen. Ein kostenloses Depot ist also kein Selbstläufer, sondern hängt von den Kaufabsichten des Anlegers ab. Sparen kann man trotzdem, wenn man sein Bestes tut und beim richtigen Anbieter eröffnen möchte. Ein aussagekräftiger Vergleich ist wichtig, bevor man ein Depot einrichten lässt, um später keine zu hohen Gebühren zahlen zu müssen.

Kommt einem diese Idee erst später oder findet man ein besseres Angebot, kommen bei vielen Anbietern nämlich noch Gebühren für den Depotwechsel hinzu. Einige Broker verzichten aber selbst auf diese Wechselgebühren. Ein solcher Wechsel ist relativ unkompliziert möglich, erfordert aber eine Abwicklungsdauer zwischen zehn und vierzehn Tagen. Während dieser Zeit kann man seine Wertpapiere nicht verkaufen, was man bei volatilen Werten unbedingt vorher bedenken sollte.

Zu guter Letzt muss ein Referenzkonto oder Verrechnungskonto geführt werden, das normalerweise auch beim Depotanbieter liegt (aber nicht zwingend dort liegen muss). Neukunden profitieren oft von sehr günstigen Konditionen, wenn sie das Referenzkonto direkt beim Depotanbieter einrichten, etwa in Form von höheren Zinsen, die sich positiv auf die Nettorendite auswirken. Diese Konditionen sind aber häufig auf ein Jahr begrenzt.

Video: Welches Depot ist das richtige für dich? Depotvergleich – ETFs & Aktien 🔍

Für ein kostenloses Depot gibt es weniger Service

Bei aller Sparmentalität muss man gerade als Einsteiger wissen, dass der Service für ein kostenloses Depot natürlich um einiges geringer ausfällt oder sogar gegen null tendiert, wenn man den Vergleich zu einem bei einer Filialbank betreuten Wertpapierdepot anstellt. Insbesondere die Auswertung von Statistiken des eigenen Portfolios ist nicht nur für Experten im Trading interessant, sondern auch für den Überblick wichtig, wenn man als Anfänger in den Handel mit Wertpapieren einsteigt. Obwohl die meisten Anbieter auch für ein kostenloses Depot elektronische Hilfsmittel wie Apps anbieten, lassen die Auswertungen im Detail zu wünschen übrig.

Der Kunde greift dann nicht selten zum PC und der guten alten Tabellenkalkulation, aber es gibt mittlerweile sehr gute Software für Computer und Smartphones, die einem diese Arbeit abnehmen. Hier gibt es auch manch kostenloses Angebot, so dass für die Auswertungssoftware keine Extrakosten anfallen müssen. Wem das zu viel Statistik und Zahlenjonglieren ist, sollte sich nicht sofort abschrecken lassen, denn je tiefer man in die Materie eintaucht und je mehr man mit dem Depot handelt, desto wichtiger ist es, den sauberen Überblick zu behalten.

Fazit: Ein komplett kostenloses Depot gibt es eigentlich nicht, aber man kann viel Geld sparen

Ein kostenloses Depot, mit dem man alles machen und jedes Wertpapier handeln kann, gibt es nicht. Zum einen fallen gegebenenfalls Gebühren für Transaktionen an, wenn man nicht nur außerbörslich handeln möchte; zum anderen sind Faktoren wie die Abgeltungssteuer nicht zu umgehen. Sparen kann man jedoch bei den Depotgebühren, die schon heute bei vielen Anbietern der Vergangenheit angehören. Außerdem kann man bei den Ordergebühren sparen, wenn man ein Kostenmodell wählt, das den eigenen Vorlieben und dem Tradingverhalten angepasst ist. Eine Flatrate kann sich durchaus lohnen, sofern man nicht nur einmal im Monat handelt.

Wichtig ist ein aussagekräftiger Vergleich der Depotanbieter, um alle Faktoren und Gebühren einzubeziehen. Ein kostenloses Depot bedeutet aber immer auch Abstriche beim Service – für Einsteiger manchmal ein Stolperstein. Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine gute Auswertungssoftware, damit man den Überblick behält.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _fizkes  -#01: _fizkes

Über Rebecca Liebig

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Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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