Master KVG: Wissen für Fondanleger

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Spezialfonds werden immer häufiger durch den sogenannten Master-KVG gehandhabt. Diese Master-Kapitalverwaltungsgesellschaften sind darauf ausgelegt, die rechtliche Verwaltung von Sondervermögen in Spezialfonds abzuwickeln. Aber wie genau funktionieren die Strukturen der Master-KVG?

Master KVG: Begriffserklärung

Eine Master-KVG ist über den Begriff nicht juristisch definiert. Daher ist dieses Geschäftsmodell nicht im Investmentgesetz zu finden. Dort wird lediglich von klassischen Kapitalverwaltungsgesellschaften gesprochen. Die Master-KVG ist dafür zuständig, das Sondervermögen einer dritten Partei zu verwalten.

Dies geschieht in Form von Spezialfonds. Die KGV stellt die Fondsstruktur bereit, ohne diese im Eigeninteresse zu verwalten. Das Fondsmanagement wird durch einen externen Asset-Manager übernommen, der durch die Drittpartei beauftragt oder die Drittpartei ist.

Generell handelt es sich um institutionelle Anleger, die mit Fondseinlagen von mehr als zehn Millionen Euro arbeiten:

  • Pensionskassen
  • Banken
  • Vermögende Privatanleger
Generell handelt es sich um institutionelle Anleger, die mit Fondseinlagen von mehr als zehn Millionen Euro arbeiten. (#01)

Generell handelt es sich um institutionelle Anleger, die mit Fondseinlagen von mehr als zehn Millionen Euro arbeiten. (#01)

Was sind Spezialfonds?

Um die Notwendigkeit einer Master-KVG zu verstehen, muss geklärt sein, was ein Spezialfonds ist. Nach dem deutschen und internationalen Investmentgesetz unterliegen Fonds einer Vielzahl von Auflagen, und sie werden gesetzlich reguliert. Dafür ist unter anderem die BaFin, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, zuständig. Diese Regulierungen und Vorgaben dienen dazu, die Anleger vor Verlusten und Missbrauch ihrer Investitionen zu schützen.

Da klassische Fonds das gesammelte Kapital von Hunderten oder gar Tausenden von Anlegern nutzen, ist dies leicht nachvollziehbar. Was aber, wenn das gesamte Investitionskapital aus einer Quelle stammt? Wer als Anleger in der Lage sein möchte, sämtliche Entscheidungen nach den eigenen Grundsätzen zu verwalten, kann dies mit einem Spezialfonds tun. Hier liegt das Risiko allein beim Fondsinhaber. Die Master-KVG dient lediglich als Wirtschaftsplattform.

Video: Wer an Real Assets denkt, muss auch an Reporting denken – Carsten Steimer

Master-KVG aus wirtschaftlicher Sicht

Ein klassischer Fonds wird über drei Komponenten strukturiert:

  • Bestandsverwaltung durch die Depotbank
  • Administration durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft
  • Portfolio-Verwaltung durch den Asset-Manager

Sämtliche Leistungen werden hier über eine Schnittstelle abgewickelt, die Fondsgesellschaft bzw. den Finanzkonzern. Eine Master-KVG ermöglicht es dem Investoren, die drei Komponenten getrennt zu vergeben. Die Administration liegt bei der Master-KVG. Diese kann dabei mehrere Portfolios verwalten und sie auf Wunsch zu einem gebündelten Sondervermögen zusammenlegen.

Die Verwahrung des Sondervermögens wird über die gewählte Depotbank gesichert. Das Asset-Management übernimmt der Investor entweder selber, oder er lagert es an einen Asset-Manager aus. Dafür wird zwischen Verwaltungsmandaten und Beratungsmandaten unterschieden.

Das Beratungsmandat, oder auch Advisory Mandate, berechtigt den beauftragten Asset-Manager dazu, der Master-KVG Ratschläge für die Verwaltung der Fonds zu geben. Diese steht allerdings in der Verantwortung, die Entscheidungen zu treffen. Mit einem Verwaltungsmandat, oder auch Outsourcing Mandat, werden sämtliche Anlageentscheidungen durch den beauftragten Asset-Manager getroffen.

Mit einem Verwaltungsmandat, oder auch Outsourcing Mandat, werden sämtliche Anlageentscheidungen durch den beauftragten Asset-Manager getroffen.(#02)

Mit einem Verwaltungsmandat, oder auch Outsourcing Mandat, werden sämtliche Anlageentscheidungen durch den beauftragten Asset-Manager getroffen.(#02)

Welche Vorteile bieten die Master-KVGs?

Es gibt viele Gründe, die für die Nutzung von Master-KVGs sprechen. Das Hauptargument ist dabei ohne Frage die Möglichkeit der individuellen Fondsverwaltung. Anleger können die Verwaltung aktiv konstruieren, was viele Freiheiten gibt.

Ein weiterer Punkt ist die zentrale Verwaltung. Die Zusammenführung und zusammenfassende Administration des Sondervermögens sorgt für hohe Transparenz und Einheitlichkeit. Darüber hinaus kann durch ein gutes Reporting sichergestellt werden, höchste Informationsaktualität zu wahren. Ein wichtiger Punkt, soll das Asset-Management so effizient wie möglich sein.

Da die zentrale Verwaltung auch eine Reihe von zusätzlichen Schnittstellen minimiert, ist die Master-KVG auch ein Weg, Kosten zu minimieren. Neben der Kostenminimierung führt die Reduzierung der Schnittstellen auch zu einer Senkung der möglichen Fehlerquellen.

Ein umfassendes Dienstleistungsangebot einer Master-KVG deckt alle relevanten Bereiche ab:

  • Verwaltungsaufgaben
  • Backofficeleistungen
  • Buchungen
  • Wertpapiertransaktionen
  • Tägliche Ermittlung von Anteilspreisen

Ein erstklassig aufgestelltes Advice- und Ordermanagement ist in der Lage, Anlageempfehlungen von beauftragten Asset-Managern detailliert zu überprüfen. Und dies sowohl im gesetzlichen, als auch im vertraglichen Rahmen: Werden mögliche Restriktionen eingehalten, und sind die anlegerspezifischen Vorgaben korrekt umgesetzt?

In der Regel umfasst das Reporting jeden Tag eine detaillierte Bestandsprüfung. Diese zeigt sämtliche Positionen des Sondervermögens auf. Ein ungehinderter Informationsfluss zwischen der Master-KVG, dem Asset-Manager und dem Investoren ist hier besonders wichtig.

eReporting: Eine klassische Dienstleistung

Es ist schnell zu erkennen, dass eine zentrale Aufgabe jeder Master-KVG ein exzellentes Reporting ist. Immer häufiger erhalten Anleger die Option, auf ein individuelles eReporting zuzugreifen. Rund um die Uhr und von jeder Location aus können Anleger alle relevanten Informationen einsehen. In aufgearbeiteter Form ist das Tagesgeschehen zu überblicken.

 Rund um die Uhr und von jeder Location aus können Anleger alle relevanten Informationen einsehen.(#03)

Rund um die Uhr und von jeder Location aus können Anleger alle relevanten Informationen einsehen.(#03)

Master-KVGs auch in der Immobilienwelt sehr gefragt

Bisher kamen die Spezialfonds der Master-KVGs vor allem im Bereich der klassischen Fonds zum Tragen. Allerdings setzen immer häufiger auch Immobilienfonds auf diese Art der Fondsverwaltung. Denn die saubere Trennung von Asset-Management und Administration bringt auch für die Immobilienwelt klare Vorteile.

Obwohl das Prinzip der Master-KVGs bereits seit den 1990er-Jahren an den globalen Kapitalmärkten zu finden ist, sind die Immobilienfonds bisher noch nicht im vollen Umfang auf diesen Zug aufgesprungen. Erst seit ein paar Jahren ist ein Wachstum in diesem Bereich zu erkennen. Ein Beispiel dafür ist der Deutsche Immobilienspezialfonds, der ISF. Im Jahr 2000 arbeitete der ISF mit einem Gesamtkapital von knapp sieben Milliarden Euro. Zum Jahresbeginn 2016 waren es bereits 54 Milliarden Euro, und die Tendenz ist weiter steigend.

Anleger setzen auf Spezialfonds

Das allgemeine Interesse an Master-KVG-Spezialfonds ist groß, und das in allen Branchen. Anleger sind auf der Suche nach Verwaltungsoptionen, die eine hohe Transparenz bieten. Klassische Fondsgesellschaften sind dazu nicht immer bereit oder schlichtweg nicht in der Lage. Arbeiten unzählige Fonds-Manager an einem Portfolio, deren Entscheidungen über mehre Instanzen geprüft und besiegelt werden, ist es leicht, den Überblick zu verlieren. Dies hat häufig zur Folge, dass ein umfassendes Reporting nur schwer umzusetzen ist. Auch eine eingehende Analyse steht nicht immer bereit.

Die Spezialfonds der Master-KVGs sind da eine willkommen Alternative. Die optimierte Verwaltung hat natürlich auch eine Steigerung der Effizienz zur Folge. In den Kapitalbereichen, in denen sich diese Fonds bewegen, kommen schnell Millionen von Euro zusammen. Eine Gewinnoptimierung freut da natürlich alle Beteiligten.

Wie finanzieren sich die Master-KVGs?

Da eine Master-KVG in erster Linie eine Dienstleistungsplattform ist, wird sie auch entsprechend bezahlt. Die Finanzinstitute berechnen Pauschalen für die gestellten Leistungen. Diese berechnen sich sowohl am Einlagevermögen, als auch an der Gewinnausschüttung – dies ist abhängig von der gewählten Dienstleistung.

Dies bringt weitere Vorteile für Investoren. Die KGV ist in der Lage, bloße Einlagen absolut neutral zu behandeln. Denn die Dienstleistungskosten sind in jedem Fall gesichert. Fungiert die KVG zusätzlich als Asset-Manager, wird über Gewinnprovisionen gearbeitet – was ohne Frage ein Ansporn ist, die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern.

Was hat die Zukunft der KVGs zu bieten?

Die wachsende Nachfrage nach den Leistungen der KVGs lässt darauf schließen, dass immer mehr Fondsgesellschaften auf diese Geschäftsform umsteigen werden. Dabei haben sich bereits einige globale Groβanbieter dazu entschieden, die KVG in ihr jeweiliges Leistungsportfolio aufzunehmen. Dies lässt auch den Trend erkennen, dass Anleger aller Klassen auf hohe Transparenz setzen. Investoren möchten auf undurchsichtige Gebührenstrukturen verzichten und mehr Kontrolle über ihre Finanzen haben.

Die KVGs sind in der Lage, eine Vielzahl von Verbesserungen im Vergleich zum klassischen Fonds zu bieten. Institutionelle Anbieter nutzen diese Vorteile bereits im großen Rahmen. Vorsorgefonds arbeiten mit hohen Renditen, und Immobilienfonds sind in der Lage, globale Gewinnmühlen zu etablieren.


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Über den Autor

Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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