Spread Börse: Hintergrundwissen für Optionsscheine und Zertifikate

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Der Spread – an der Börse steht dieser Begriff für den Unterschied zwischen dem Kurs zu dem ein Wertpapier gekauft wurde und dem Kurs, zu dem man es wieder verkauft. Wir erläutern alles Wichtige dazu und zeigen, welche Rolle der Spread bei Zertifikaten spielt.

Spread Börse: Begriffsbestimmung

Wortwörtlich bedeutet die englische Bezeichnung „Spread“ im Deutschen „Bandbreite“ oder „Differenz“. In der Volkswirtschaft steht der Spread für die Preisspanne zwischen zwei ökonomischen Größen. Wichtig: die beiden Größen müssen miteinander vergleichbar sein.
Fällt der Begriff Spread an der Börse, meint der Händler damit die Differenz zwischen dem Geld- und dem Briefkurs. Oder anders ausgedrückt: Spread steht an der Börse für den Unterschied zwischen dem Ankaufkurs und dem Verkaufskurs von Finanzprodukten, etwa von Aktien oder Devisen. Am häufigsten findet der Begriff im Wertpapier- und Devisenhandel Anwendung.

Geläufig für den Begriff „Geldkurs“ ist übrigens auch die Bezeichnung „Rücknahmepreis“. Dieser zeigt an, wie viel ein Marktteilnehmer bereit ist, für ein Papier zu zahlen. Der Verkaufspreis (Briefkurs) meint hingegen den niedrigsten Wert, zu dem der Marktteilnehmer bereit ist, ein Papier zu verkaufen. Herunter gebrochen auf eine Formel, lautet die Definition von Spread an der Börse: Spread = Briefkurs minus Geldkurs. Diese beiden Kurse sind also entscheidend für die Berechnung der Spanne.

Der Spread – an der Börse steht dieser Begriff für den Unterschied zwischen dem Kurs zu dem ein Wertpapier gekauft wurde und dem Kurs, zu dem man es wieder verkauft. (#01)

Der Spread – an der Börse steht dieser Begriff für den Unterschied zwischen dem Kurs zu dem ein Wertpapier gekauft wurde und dem Kurs, zu dem man es wieder verkauft. (#01)

Spread nicht nur an der Börse: Zertifikate, Devisen, Fonds

Wie erwähnt spielt die Preisspanne an der Börse beim Handel mit Aktien eine sehr große Rolle. Kauft ein Anleger eine Aktie und verkauft diese dann gleich wieder, liegt in den meisten Fällen der Geldkurs über dem Briefkurs. Dies hätte zur Folge, dass der Anleger teuer gekäuft hätte und jetzt billig verkauft. Im Fachjargon sagt man dazu: „Den Spread verlieren“. Aber den Spread gibt es auch für andere Finanzprodukte, so z.B. Devisen oder Zertifikate (Inhaberschuldverschreibung). Er gehört im Finanzwesen damit auch zu den wichtigsten aller Marktdaten.

Bei Zertifikaten gibt er auch die Differenz zwischen dem Preis für die Rücknahme und für den Verkauf an. Rücknahmepreis bedeutet hier, zu welchem Kurs eine Bank das Zertifikat zurücknimmt. Zertifikate werden in aller Regel von Banken ausgegeben und sind für Privatanleger eine attraktive Möglichkeit, in unterschiedliche Arten von Anlagen zu investieren. Der Handel mit Zertifikaten findet dabei oft auch außerhalb der Börse statt. Entscheidet sich jemand dazu, Zertifikate während ihrer Laufzeit zu erwerben, zahlt er Spread.

Wichtig zu wissen ist, dass nahezu alle Arten von Wertpapieren mit einer Preisspanne gehandelt werden, nicht nur Aktien an der Börse. Also z.B. auch Anleihen, Fonds oder Genussscheine.

Bei all diesen Finanzprodukten existiert daher also jene Differenz zwischen dem

  • Preis, den ein Verkäufer erzielen will und
  • dem Preis, den ein Interessent bereit ist zu zahlen

Video: Was ist der Spread?

Spread Börse: Die Kurse

Der Brief- und der Geldkurs sind die beiden Kurse, die bei der Berechnung des Spread von größter Bedeutung sind, und das eben nicht nur beim Handel an der Börse. Ein Vergleich Beide Bezeichnungen sind traditionelle Begriffe aus dem Bereich des Wertpapierhandels.

In der Praxis – also z.B. beim Handel an der Börse – liegt der Geldkurs unter dem Briefkurs. Das heißt: Der Verkaufspreis der Aktie liegt über dem Kaufpreis am Markt. Als Verkäufer will man das Papier teurer verkaufen, als der Käufer bereit ist dafür auszugeben. Der Mittelwert zwischen diesen beiden Kursen lautet Mittelkurs, die Differenz wird als Geld-Brief-Spanne bezeichnet, also: Spread.

Bei ihm wird übrigens auch nochmals zwischen zwei Bezeichnungen unterschieden: Es gibt den expliziten und den impliziten Spread. Beim Ersteren ist sofort klar und ersichtlich, wie groß die Differenz bzw. der Unterschied zwischen Brief- und Geldkurs ist. Implizit heißt, dass die Spanne geschätzt wird. Die Schätzung erfolgt dabei auf Grundlage früherer Transaktionen und Gewinne die – z.B. an der Börse durch Aktien – erzielt wurden.

Spread an der Börse: Die Spanne bei Aktienkursen

Nun ist klar, was die Preisspanne bedeutet und auch, wie sie in der Theorie zustande kommt. Doch wie ermittelt man sie in der Praxis, also z.B. beim Handel an der Börse mit Wertpapieren?

Beim Handel mit Aktien an der Börse, gibt der Aktieninhaber, der die Papiere verkaufen will, ein Limit an, die sog. Limit Order. Diese legt fest, welchen Preis er für ein Papier haben möchte. Auf der anderen Seite steht der Käufer, der auch seinerseits widerrum ein Limit benennt. Nämlich, was er maximal bereit ist für die Aktie zu zahlen. Die Differenz dieser beiden Werte ergibt dann den Spread, auf dessen Grundlage die Marktteilnehmer häufig ihre Entscheidungen treffen.

Nutzt ein Marktteilnehmer die Spreads geschickt, so können durchaus attraktive Gewinne erzielt werden. Denn der Preis für ein und dieselbe Aktie, die an verschiedenen Börsen gehandelt wird, kann voneinander abweichen – u.a. in Abhängigkeit von den Handelsaktivitäten und von der Uhrzeit in dem Land, in dem die Aktie gehandelt wird.

Video: Börsen ABC – Spread

Unterschiedliche Arten von Preisspannen

Nun ist es nicht so, dass es lediglich eine Art von Differenz zwischen Brief- und Geldkurs gibt. Folgende Arten von Spannen zwischen dem Verkaufspreis und dem Rücknahmepreis, sind voneinander zu unterscheiden:

  • Kurs-Spanne
  • Zins-Spanne
  • Termingeschäfts-Spanne oder bei
  • Optionsscheinen

Generell gilt: je geringer die Spanne – also je kleiner die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs – desto weniger Kosten entstehen dem Anleger beim seinem Geschäft. Die heutigen Computerprogramme, die an den Handelsplätzen von den am Markt beteiligten Instituten genutzt werden, sind äußerst modern und leistungsfähig. Sie reagieren umgehend auf extrem kleine Spannen zwischen Brief- und Geldkurs, um die Differenz auszugleichen. Früher war es noch so, dass viele Händler natürlich auf diesen Moment der kleinen Preisdifferenz spekulierten. Diese Form des Handelns hat mittlerweile ausgedient, da sie schlicht zu antiquiert ist.

Diese Regel (je geringer die Differenz desto weniger Kosten entstehen einem) gilt jedoch nicht automatisch auch für die anderen die Finanzprodukte. Eine beständige Regel Empfehlung, wie hoch z.B. der Spread im Vergleich dazu bei Zertifikaten sein soll, existiert nicht.

Der Kauf von Aktien bei einer großen Differenz, wird von Börsen-Experten und Finanz-Fachleuten generell eher nicht empfohlen. Die meisten Anleger, die einen hohen Spread in Kauf nehmen und akzeptieren, denken langfristig – und haben nicht selten das nötige Kleingeld um Verluste entsprechend auszugleichen. (#03)

Der Kauf von Aktien bei einer großen Differenz, wird von Börsen-Experten und Finanz-Fachleuten generell eher nicht empfohlen. Die meisten Anleger, die einen hohen Spread in Kauf nehmen und akzeptieren, denken langfristig – und haben nicht selten das nötige Kleingeld um Verluste entsprechend auszugleichen. (#02)

Spreads bei Zertifikaten

Zertifikate gelten eher als unsichere Finanz- und Anlageprodukte. So sind z.B. die Fonds der Anleger bei einer Kapitalanlagegesellschaft geschützt, sollte die Gesellschaft Konkurs gehen. Wer Zertifikate besitzt, hat diese Sicherheit hingegen nicht.

Die Preisspanne kommt ins Spiel wenn Zertifikate während ihrer Laufzeit gekauft werden. Dann muss man die Differenz zwischen Brief- und dem Geldkurs zahlen, weshalb der Spread bei Zertifikaten auch als „Ausgabenaufschlag“ gesehen wird. Je vielschichtiger, komplexer und „exotischer“ die Finanzprodukte, desto größer ist er – und ein großer Spread steht für hohe Kosten, die beim Erwerb anfallen.
Noch etwas Allgemeines zu einer ganz bestimmten Art von Fonds: Gegenstand hitziger Diskussionen ist immer wieder jener bei Investmentfonds. Anleger müssen diesen aber nur entrichten, wenn sie die Fonds direkt bei der Kapitalanlagegesellschaft erwerben. Theoretisch kann der Ausgabenaufschlag dann fünf Prozent betragen.

Aber: Preisspannen sind nicht für alle Zeiten festgelegt. Sie sind keine feststehende Größe sondern ständigen Veränderungen und Schwankungen unterworfen. Je größer das Risiko für ein Finanzprodukt – ob an der Börse oder bei einem außerbörslichen Geschäft – desto breiter wird die Spanne. Und damit erhöhen sich auch die Abschläge für den Verkäufer.

Video: Wie entsteht der Börsenkurs? Spread, Preistaxe & Orderbuch erklärt

Der Spread beim Wertpapierhandel

Der Kauf von Aktien bei einer großen Differenz, wird von Börsen-Experten und Finanz-Fachleuten generell eher nicht empfohlen. Die meisten Anleger, die einen hohen Spread in Kauf nehmen und akzeptieren, denken langfristig – und haben nicht selten das nötige Kleingeld um Verluste entsprechend auszugleichen. Wer kurzfristig anlegt und z.B. auf eine Investition setzt, die nur auf wenige Tage oder gar Stunden ausgelegt ist, wird auf einen geringen Spread setzen. Denn bei einem kurzfristigen Geschäft wird sich in der knappen Zeit zwischen Kauf und Verkauf, die Preisspanne in aller Regel nur geringfügig verändern.

In jedem Fall aber sehr sicher nicht in dem Maße, dass es bei einer hohen Differenz zu einem Gewinn kommt. Dabei spricht man übrigens vom absoluten Spread. Er steht für den (absoluten) Unterschiedbetrag zwischen Kaufkurs und Verkaufskurs und variiert insbesondere in Abhängigkeit von dem, der die Aktien ausgibt.Es gibt aber auch den homogenisierten Spread, der bei Optionsscheinen eine Rolle spielt. Was hat es damit auf sich?

Der homogenisierte Spread bei Optionsscheinen

Optionsscheine sind komplexe Finanzprodukte. Um auf ihre Kurse und Werte zu kommen, braucht es zum Teil höchst komplizierte Vorgehensweisen und Mechanismen.

Allgemein gilt: Optionsscheine (auch Derivate genannt) verleihen dem Käufer das Recht, einen Basiswert zu kaufen – innerhalb einer genau definierten Laufzeit und zu einem Basispreis, den die Handelspartner miteinander vereinbart haben. Erwirbt ein Anleger Optionsscheine spekuliert er z.B. darauf, dass Wertpapiere künftig in ihrem Wert stark sinken oder steigen. Herausgegeben werden sie von Kreditinstituten und Banken, die auch über den (homogenisierten) Spread bestimmen.

Beim homogenisierten Spread, wird die Preisspanne zwischen Brief- und Geldkurs in Bezug gesetzt zum Basiswert. In einer Formel ausgedrückt: Briefkurs – Geldkurs / Bezugsverhältnis. Kommt es zu Turbulenzen am Markt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bank den Spread ausweiten wird. Auch bei Optionsscheinen gilt bzgl. des Spread: Beim Kauf sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Differenz möglichst gering ist. Im Vergleich zu anderen Finanzprodukten, sind Optionsscheine äußerst risikoreich. Es sind schnell hohe Gewinne möglich, aber auch ein Totalverlust ist keine Seltenheit.


BIldnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _ Vintage Tone  -#01: _ Vintage Tone  -#02: Luis Louro

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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