Investieren Frankreich: Do’s and Dont’s

Investieren Frankreich: Tipps und Tricks. Wie können Anleger vom Wirtschaftsaufschwung im Nachbarland profitieren?

Investieren Frankreich: Tipps und Tricks

Der Machtantritt von Präsident Macron scheint Wirkung zu zeigen. Arbeitsmarktreformen wie die Lockerung des Kündigungsschutzes wurden trotz massivem Widerstand durchgeboxt. Gleichzeitig erfolgte die Senkung von Unternehmenssteuern. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2017 mit 1,9 Prozent so stark wie zuletzt 2011. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit 9 Jahren. Auch an der Pariser Börse ist die Stimmung gut.

Positive Signale für Anleger am französischen Aktienmarkt

Der CAC40 Aktienindex, vergleichbar mit dem DAX, hat seit dem Erfolg von Macron im April 2017 um neun Prozent zugelegt. Selbst in diesem Jahr stieg der Leitindex bisher um vier Prozent, während vergleichbare europäische und deutsche Indexwerte stagnieren oder sogar wie der DAX um 0,5 Prozent gesunken sind. Es gibt also gute Gründe, sich genauer zu informieren, ob investieren in Frankreich vielleicht die aktuell beste Anleger-Strategie ist. Laut „boerse.ard“ ist nämlich ein weiterer Anstieg zu erwarten.

So prognostiziert Aktienspezialist Vincent Guenzi bis Jahresende einen Wert von 5.700 Punkte (aktueller Wert September 2018: circa 5.300 Punkte), die Citigroup spricht sogar von 6.000 Punkten bis Ende 2018. Ein erster Schritt, um zum bisherigen Höchststand von 6.944 im September 2000 wieder aufzuschließen.

Video: Frankreich – Wahl 2017: Investment Punk über Le Pen und Macron

Investieren Frankreich: Wie profitieren Anleger von steigenden Börsenkursen?

Zunächst: Kein Trend geht immer nach oben. Der aktuelle Bahnstreik hat auch in Frankreich das Wachstum verlangsamt. Ob es weiter bergauf geht, hängt deshalb auch von der innenpolitischen Lage ab. Hierzu zählt die Binnennachfrage der französischen Bevölkerung. Sie ist ebenfalls ein Kriterium, wie es wirtschaftlich in nächster Zeit weitergehen könnte. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, sich am aktuell positiven Börsentrend zu beteiligen.

Findige Anleger streuen ihre Beteiligungen und investieren nicht alles in eine bestimmte Branche wie zum Beispiel den Automobilbau. In der letzten Zeit haben sich Luxusgüter, traditionell eine Stärke Frankreichs, hervorragend entwickelt. Auch die Sparte „Öl und Gas“ erzielte ein stabiles Wachstum. Ein solider Mix aus solchen Werten ist aktuell die sinnvollste Empfehlung, wer investieren in Frankreich will und mögliche Kursgewinne mitnehmen möchte.

Die größten Fehler von Neulingen an der Börse

  • Es ist nicht leicht, auf die Schnelle an der Börse Geld zu verdienen. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine langfristige Form, Vermögen aufzubauen.
  • Zu wenig Recherche beim Erwerb von Aktien. Wichtig sind die längerfristige Beobachtung von Charts sowie aktuelle Unternehmensentwicklungen.
  • Schwankungen der Aktienmärkte sind normal und in der Regel nicht beunruhigend. Langfristig gehören Aktienmärkte hingegen zu den renditestärksten Anlageformen.
  • Keine Aktien auf Kredit kaufen und erst recht nicht eine Hypothek auf das Eigenheim aufnehmen.
  • Auf Diversifizierung (Streuung) der erworbenen Aktien achten. Nicht alles im selben Markt investieren, um bei Turbulenzen am Markt keinen starken Absturz zu erleiden.
  • Nur einen kleinen Teil des Aktienvermögens in spekulative Produkte setzen. Und erst dann, wenn man sich mit Optionen, Hebelprodukten & Co. wirklich auskennt.
  • Extra-Tipp zum Schluss: Ein virtuelles Aktiendepot ohne Geld anlegen und erst mal prüfen, ob man Geschicklichkeit an der Börse besitzt.
Was müssen Anleger beachten, die in Frankreich investieren wollen? (#1)

Was müssen Anleger beachten, die in Frankreich investieren wollen? (#1)

Langfristige Strategie dank „Macon-Effekt“ kann beste Lösung sein

Aktuell schwächelt das Wachstum, aber Fachleute gehen von einem nachhaltigen Effekt durch die Reformen von Präsident Macron aus. Bruno Cavalier, Chefvolkswirt der deutsch-französischen Bank Oddo BHF, geht in „borse.ard“ von mittel- bis langfristig positiven Entwicklungen für das Wirtschaftswachstum aus. Meldungen, die für Anleger wichtig sind, die ihre Aktien auf lange Sicht halten möchten auch im Rahmen einer sinnvollen Altersvorsorge.

In diesem Zusammenhang ein weiterer Tipp: Es kann sich immer auszahlen, in unterschiedlichen Märkten Wertpapiere zu erwerben. Einen Teil am amerikanischen Markt investieren, den anderen in europäische Märkten anlegen. Mit einer solchen Streuung reduzieren Anleger in der Regel größere Verluste.

Investieren Frankreich: Momentan ist Frankreich das beliebteste europäische Land für Anleger

Investieren in Frankreich ist dabei aktuell besonders „in“. Laut „Handelsblatt“ vom Juli 2018 ist es für Anleger so populär wie kein zweites europäisches Land. Barometer wie zum Beispiel die Einkaufsmanager-Indizes erzielten besserer Werte als irgendwo sonst in der Euro-Zone. Manche Fondsmanager wie Tom Stubbe Olsen gehen in dem Wirtschaftsblatt sogar davon aus, dass ein „starkes Frankreich auch Deutschlands wirtschaftlichen Anstrengungen Rückenwind geben dürfte“.

Ein Beweis für die Stärkung der französischen Position ist die Ansiedlung von Amazon. Der Onlinegigant plant eine dauerhafte Ansiedlung von 2000 Arbeitsplätzen und begründet dies eindeutig mit der verbesserten Konjunktur im Lande. Dazu der Fachmann Cavalier in „Euro am Sonntag“: „Innerhalb des vergangenen Jahres hat sich die Stimmung komplett gedreht. Wenn ich mit ausländischen Investoren spreche, sind die meisten mittlerweile optimistisch eingestellt“.

Deutschlands Anleger zögern noch

Deutsche Investoren expandieren aktuell immer noch eher nach China oder in die Vereinigten Staaten. Investieren in Frankreich ist für diese immer noch zu heikel. Begründet wird es mit einer immer noch dominanten Bürokratie sowie einer großen gewerkschaftlichen Macht. Das Risiko größerer Arbeitskämpfe, die das Wachstum bedrohen, lässt sich auch heute noch nicht völlig von der Hand weisen. Macron plant wohl Einschnitte in der Beamtenversorgung des Landes. Inwiefern es hier zu Streiks oder ähnlichen Auseinandersetzungen kommt, bleibt abzuwarten. Falls es aber zu einem nachhaltigen Aufschwung kommt, ist auch ein verstärktes Auftreten deutscher Investoren am französischen Markt zu erwarten.

Stimmen die Bilanzen der letzten Jahre? Investoren müssen auf vieles achten, bevor sie Geld in ein Unternehmen stecken. (#2)

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Investieren Frankreich: Psychologie ist die Hälfte des Erfolges

Bei allem Optimismus geht es immer auch um psychologische Effekte. Didier Saint George vom Bankhaus Odo BHF geht in „Euro am Sonntag“ von einem dauerhaften Wachstum aus. Vor allem, wenn es zu keinen größeren Unruhen als Folge von Macrons Wirtschaftskurs kommt. Im Jahr 2018 wird jedenfalls erstmal ein robustes Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent erwartet. Die beim Leitindex CAC 40 gelisteten Unternehmen honorieren das und vor allem Boeing sowie vor allem das ehemalige Mutterhaus von Puma, Kering, legten deutlich zu. Auch der AXA-Versicherungskonzern verbuchte deutliche Gewinne.

Wie erwähnt, spielt die Psyche eine nicht unwesentliche Rolle, wie hoch sich Werte entwickeln können. Bleibt Macron bei seiner Politik der Liberalisierung der Wirtschaft, privatisiert er erfolgreich staatliche Unternehmen und verbessert er die Bildungschancen stehen die Chancen gut, dass sich ein Börsenboom in Frankreich mit positiven Folgen für Anleger entwickeln könnte.

Wo steht Frankreich im Jahre 2022?

Frankreich hat unter Macron große Veränderungen erlebt und der Reformprozess unter dem jungen Präsidenten scheint noch nicht beendet zu sein. Er bekommt auch viel Gegenwind und wird von Kritikern vornehmlich aus dem linken Lager als „Präsident der Reichen“ bezeichnet. Wie heftig in Zukunft der Gegenwind zum Beispiel aus dem Gewerkschaftslager wird, entscheidet vermutlich auch über die weitere Entwicklung seiner Wirtschaftsreformen. Und damit über die Frage, ob investieren in Frankreich im Jahre 2022 nach dem Ende seiner Präsidentschaft immer noch so vorteilhaft erscheint, wie das aktuell viele Experten sehen.

Exakte Prognosen, wie sich französische Aktien in vier Jahren entwickeln, kann ohnehin kein Fachmann vorhersagen. Denn es weiß keiner, wie die politische und wirtschaftliche Entwicklung weitergeht. In Frankreich und Europa genauso wenig wie in den Vereinigten Staaten. Ein möglicher Handelskrieg mit den USA dürfte auf jeden Fall nicht im Interesse der Börsen sein, als Folge wären Kursstürze durchaus realistisch. Bleibt der Crash aber aus und gelingt es dem Land hingegen, anhaltendes Wirtschaftswachstum zu generieren und noch attraktiver auf Investoren zu wirken, stehen die Chancen auf weitere Kurssprünge an der Börse gut.

Was bedeutet das für kleine Anleger? Diese sollten in jedem Fall kühlen Kopf bewahren. Immer nur einen Teil ihres Vermögens in Aktien stecken und dieses so intelligent nach Ländern und Branchen streuen, dass auch bei größeren Verlusten einzelner Werte niemals das ganze Aktiendepot in Gefahr geraten kann.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: RossHelen -#1: vepar5 -#2: s4svisuals

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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