Was sind Anlageklassen? Definition, Übersicht, Rollen & Risiken

Es gibt Anlageklassen, in die investieren die Deutschen schon seit Jahrzehnten, ohne sich bewusst mit dem Thema befasst zu haben. Andere Klassen ´spielen für einzelne Menschen keine Rolle, weil das Risiko des Geldverlusts zu groß ist.

Was sind Anlageklassen? ( Video)

Als Anlageklassen werden die Möglichkeiten der Geldanlage bezeichnet, wobei nicht alle dieser Klassen gleich sind. Sie unterscheiden sich hinsichtlich verschiedener wesentlicher Kriterien, zu denen die Sicherheit bzw. das Risiko, die Haltedauer, die Volatilität und die Liquidität gehören. Für einige Anleger spielen manche Anlageklassen keine Rolle, da sie vielleicht zuerst auf Sicherheit und dann erst auf Rendite setzen. Anlagemöglichkeiten, die ähnliche Eigenschaften haben, werden in Anlageklassen zusammengefasst.

Immobilien als Anlageklasse

Schon seit jeher haben die Deutschen in Immobilien investiert und ein eigenes Haus gebaut. Nicht immer zur Eigennutzung, teilweise auch zum Vermieten und als spätere Möglichkeit, um im Alter mietfrei wohnen zu können.

Neuerdings können Anleger auch ein Pflegeappartement kaufen kaufen, das eine Anlagemöglichkeit mit hoher Sicherheit und guter Rendite darstellt. …Doch nicht jede Pflegeimmobilie ist eine gute Investition, denn wenn der Betreiber in Schwierigkeiten gerät, kann es mit den Mietzahlungen zu Problemen kommen.

Immobilienfonds bieten Investoren eine alternative Möglichkeit, um an diesem speziellen Segment der Pflegeimmobilien zu partizipieren, denn auch sie können eine stabile Wertentwicklung bieten. So liegen die angenommenen Renditen derzeit bei rund zwei Prozent, daher empfiehlt es sich auch für Kleinanleger, diese Form der Geldanlage stärker ins Auge zu nehmen.

Doch nicht jede Immobilie ist eine gute Investition, denn wenn sie ihren Wert verliert, sinkt die Rendite rapide. Immobilienfonds sind die bessere Möglichkeit, um am Immobilienmarkt teilzunehmen und bieten eine stabile Wertentwicklung. Angenommene Renditen liegen bei rund zwei Prozent, die Rolle der Immobilienfonds auch für Kleinanleger ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen.

Video: Geldanlage | Wichtige Anlageklassen

Rohstoffe als Anlageklasse

Privatanleger können sich an Rohstoffen meist nicht direkt beteiligen, sondern müssen einen Umweg gehen, was angesichts des hohen Risikos durchaus sinnvoll ist. Energierohstoffe hängen direkt an der weltweiten Konjunktur, Agrarrohstoffe am Wetter und an unvorhersehbaren Umwelteinflüssen. Viele Anleger sehen Gold als krisensicher an, dafür wirft Gold aber auch keine Zinsen ab. Im Gegenteil, die Lagerung kostet sogar noch Geld und der Goldkurs kann stark schwanken.

Rohstoffe spielen für Privatanleger daher nur insofern eine Rolle, als dass sie als Beimischung in Mischfonds auftreten können und hier ein überschaubares Risiko bieten.

Spareinlagen für Sicherheitsbewusste

Sparanlagen gehören zu den Anlageklassen, denen sogar ältere Anleger vertrauen, denn die Sicherheit ist hier sehr hoch. Verluste sind praktisch nicht möglich, gleichzeitig ist die Rendite verschwindend gering. Ein wenig höher liegt sie bei Festgeldanlagen, doch diese sind auf eine längere Zeit gebunden. Soll das Kapital liquidiert werden, ist dies meist nur in monatlichen Teilsummen möglich. Dieser Zeitverzug sollte beim Investieren in diese Anlageklassen klar sein!

Jeder Anleger agiert anders und setzt andere Prioritäten. Während für einige die Sicherheit ganz oben steht und alle die Anlageklassen, die mit einem hohen Risiko einhergehen, keine Rolle spielen, ist es für andere wichtig, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.  ( Foto: Shutterstock-Freedomz)

Jeder Anleger agiert anders und setzt andere Prioritäten. Während für einige die Sicherheit ganz oben steht und alle die Anlageklassen, die mit einem hohen Risiko einhergehen, keine Rolle spielen, ist es für andere wichtig, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. ( Foto: Shutterstock-Freedomz)

Anleihen als Alternative zu Sparanlagen ( Video)

Anleihen sind eine gute Alternative zu Spareinlagen, wenn es um die Sicherheit geht. Sie werden auf dem Anleihemarkt gehandelt und können dort auch liquidiert werden. Sie eignen sich als Anlageklassen als Puffer in Zeiten von Marktstress wählen besonders, denn die Rendite ist höher als bei Sparanlagen, dennoch wird die Sicherheit gewährleistet.

Der Preis für Anleihen wird durch die Einschätzung der Bonität des Schuldners bestimmt sowie durch die tagesaktuellen Zinsen. Steigende Zinsen bedeuten fallende Preise für Anleihen. Die Bonität wird durch Ratingagenturen ermittelt und mit Buchstaben angegeben. Die beste Einstufung ist mit „AAA“ gegeben.

Der Gläubiger bekommt am Ende der Laufzeit den gezahlten Preis für die Anleihen wieder, dazu gibt es die Zinsen. Werden diese während der Laufzeit nicht gezahlt, wird das als Nullkupon-Anleihe bezeichnet. Beispiele für Anleihen sind Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Pfandbriefe, wobei die Stückelungen meist 1000 Euro betragen.

Video: Anleihen: Was Anleger beachten sollten

Geld anlegen in Aktien

Die meisten Aktien werden an der Börse gehandelt und haben einen höheren Kurs, je besser es dem Aktien ausgebenden Unternehmen geht. Das heißt, dass sich der Erfolg eines Unternehmens direkt in dem Kurs der Aktie widerspiegelt. Je höher der Kurs, desto höher auch die Dividende, wodurch vor allem die Aktien erfolgreicher Unternehmen eine Rolle für gewinnorientierte Anleger spielen.

Meist werden die Dividenden einmal im Jahr, teilweise auch viertel- oder halbjährlich ausgezahlt. Wichtig ist für den Erfolg auch die Bewertung des Unternehmens, wofür wiederum das Land der Börsennotierung und die Größe des Unternehmens relevant sind. Das Interesse der Anleger an den Aktien hängt aber nicht nur vom potenziellen Erfolg, sondern auch vom Ansehen des Unternehmens ab.

Mit Beteiligungskapital erfolgreich werden

Gerade bei jungen Unternehmen fehlt oft das Geld, um die eigene Geschäftsidee weiterentwickeln zu können. Dann ist Risikokapital nötig, welches durch Venture Capital als Beteiligung am Unternehmen eingebracht wird. Die Kapitalbindung ist meist sehr lange, wenn es sich um ein Unternehmen in der Aufbauphase handelt. Unterschieden wird in Venture Capital als risikoreiche Form und Private Equity als risikoärmere Variante. Bei Letzterem sinkt das Risiko mit fortschreitendem Alter des Unternehmens, in das investiert wurde. Dafür sinkt aber auch die Rendite.

Kryptowährungen werden über Onlinedepots gehandelt und besitzen eine hohe Volatilität.  ( Foto: Shutterstock-REDPIXEL.PL )

Kryptowährungen werden über Onlinedepots gehandelt und besitzen eine hohe Volatilität. ( Foto: Shutterstock-REDPIXEL.PL )

Kryptowährungen als Hochrisikoanlage

Kryptowährungen werden über Onlinedepots gehandelt und besitzen eine hohe Volatilität. Sie sind meist an die Wertentwicklung anderer Anlageklassen und hier vor allem der Rohstoffe gekoppelt, andere sind hingegen einfach ein nicht besichertes Zahlungsmittel. Für die meisten Anleger, die auf Sicherheit oder wenigstens auf ein ausgewogenes Verhältnis von Sicherheit und Rendite bedacht sind, kommen Kryptowährungen wie der Bitcoin nicht infrage. Sie spielen für die Zusammenstellung des Portfolios keine Rolle.

Welche Anlageklassen sollten in das Portfolio aufgenommen werden?

Jeder Anleger agiert anders und setzt andere Prioritäten. Während für einige die Sicherheit ganz oben steht und alle die Anlageklassen, die mit einem hohen Risiko einhergehen, keine Rolle spielen, ist es für andere wichtig, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Dafür wird dann auch ein höheres Risiko in Kauf genommen.

Für die Festlegung, welche Anlageklassen in das Portfolio aufgenommen werden, sind daher die folgenden Punkte relevant:

  • Volatilität

    Die einzelnen Anlageklassen unterliegen unterschiedlichen Schwankungen. Man spricht hier von der Volatilität. Ist diese sehr groß, sollte die Anlage auf längere Sicht erfolgen, um Schwankungsrisiken wieder ausgleichen zu können.

  • Laufzeit

    Bei einer risikoreichen Geldanlage sind längere Laufzeiten ideal, da sie Verluste durch volatile Geschehen wieder ausgleichen können. Wer ständig über sein Geld verfügen möchte, ist mit einer kurzen Laufzeit besser beraten.

  • Mindestanlagesumme

    In vielen Anlageklassen sind hohe Stückelungen von 1000 Euro üblich, teilweise werden diese auch nur in sechsstelliger Höhe ausgegeben. Wer als Kleinanleger beginnen möchte, muss seine Anlageklasse entsprechend der möglichen Stückelung wählen.

  • Liquidierbarkeit

    Soll die Anlage beendet werden, sollte die Anlageklasse sehr liquide sein. Illiquide Formen sind zeitraubend und können das Verlustrisiko erhöhen.

  • Risikoklasse

    Je höher das Risiko, desto höher ist meist auch die Rendite. Doch die Anlageklassen können auch totale Verluste einfahren, was für Kleinanleger meist keine Option darstellt. Um das eigene Portfolio entsprechend zu bestücken, sollte daher auf die angegebene Risikoklasse geachtet werden. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass Frauen anders investieren als Männer. Sie sind stärker auf Sicherheit bedacht.

Schon seit jeher haben die Deutschen in Immobilien investiert und ein eigenes Haus gebaut. ( Foto: Shutterstock-goodluz)

Schon seit jeher haben die Deutschen in Immobilien investiert und ein eigenes Haus gebaut. ( Foto: Shutterstock-goodluz)

Die Wahl der richtigen Anlageklasse entscheidet

Es können keine allgemeingültigen Aussagen dazu getroffen werden, welche Anlageklassen jeweils die besten sind. Vielmehr sind dafür die persönlichen Präferenzen des Betreffenden maßgeblich. Möchte dieser auf Sicherheit oder auf Rendite setzen? Auf eine Mischung aus beidem, wobei sich sowohl die Sicherheit als auch die Rendite gegensätzlich verhalten?

Ebenso ist relevant, ob eine komplette Summe auf einmal investiert werden oder ob es sich um regelmäßige Geldanlagen in kleinen Teilbeträgen handeln soll. Jeder Anleger muss selbst entscheiden, ob er in der finanziellen Lage ist, einen Verlust hinzunehmen und durch Eigenkapital wieder auszugleichen, oder ob die Sicherheit der Anlage in jedem Fall gegeben sein muss. Dann steht die Rendite allerdings an zweiter Stelle und Anlageklassen wie Aktien oder Kryptowährungen spielen keine Rolle bei der Auswahl.

Über Hans-Jürgen Schwarzer

Hans-Jürgen Schwarzer

Hans-Jürgen Schwarzer leitet die Content-Marketing-Agentur schwarzer.de. Als Marketer, Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de und industry-press.com. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatrioten dabei „ausgefallene“ Ideen und technische Novitäten besonders am Herzen.

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