Trotz Förderung: Elektromobilität steht die Nagelprobe noch bevor

07.09.2010 | Bochum
Reichweite und Ladezeiten bleiben die Knackpunkte. BP Kraftstoff-Forschung: Teilelektrifizierung bietet das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis

Elektrisch betriebene Fahrzeuge mögen das Megathema sein, wenn es um Zukunftskonzepte für individuelle Mobilität geht.

Bei den aktuellen Bestandszahlen übersteigt der Anteil der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben jedoch kaum homöopathische Dosen: Von den rund 40 Millionen Fahrzeugen auf Deutschlands Straßen wurden im Januar 2010

  • knapp 370.000 von einem Autogasmotor angetrieben,
  • 68.500 verfügten über ein Erdgasaggregat und
  • nur 28.862 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt mit Hybridantrieb unterwegs.

In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt nur ganze 1.588 Autos mit einem reinen Elektromotor.

Ähnlich sieht die Situation auch in der Schweiz und in Österreich aus. Dennoch ist die Tendenz klar: Politische Entscheider in nahezu allen Ländern versprechen sich durch die E-Mobilität eine Senkung der CO2-Emissionen und unterstützen durch Förderprogramme die massenhafte Markteinführung.

In Deutschland rechnet die Bundesregierung mit einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020.

Autofahrer erwarten Reichweiten von mindestens 300 Kilometern

Entscheiden wird letztendlich dennoch nicht die Politik sondern der Kunde - und der erwartet ein Fahrzeug ohne Abstriche in der Alltagstauglichkeit.

Der Fortschritt in der Batterietechnologie und damit bei der Reichweite wird so zur Nagelprobe für die gesamte Branche. Mittelfristig erwarten die Experten Reichweiten, die selbst mit voll aufgeladenen Akkus die 200 Kilometermarke kaum überschreiten.

Die Aral Studie 2009 zeigt, dass aber mindestens eine Reichweite von 300 Kilometern das Minimum für drei von vier Käufern darstellt.

"Neben den politischen Rahmenbedingungen entscheiden die Kapazitäten und Ladezeiten der Batterien am Ende, wann reine Elektroautos zu einer relevanten Größe im Markt werden", sagt Alexander Brauns, der bei der BP Kraftstoff-Forschung die Entwicklungen alternativer Antriebe genau beobachtet.

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass Elektrofahrzeuge bedingt durch Ladezeiten von sechs bis acht Stunden künftig eher zu Hause oder am Arbeitsplatz ans Netz gehen. Schnelladetechniken mit Starkstrom beispielsweise an der Tankstelle bleiben eher die Ausnahme.

Denn für eine zusätzliche Reichweite von 100 Kilometern ist bei vergleichsweise hohen Kosten noch immer mit einer Ladezeit von bis zu 30 Minuten zu rechnen. Außerdem führt die schnelle Aufladung zu einer verringerten Dauerhaltbarkeit der Batterien.

Sollten sich dagegen Wechselakkus mit einheitlichen technischen Standards etablieren, behielten Tankstellen ihre jetzige Funktion - selbst wenn der zukünftige Markt von Elektroautos dominiert würde.

Eine weitere Marktbarriere für Elektroautos bildet der hohe Preis: So werden für den Chevrolet Volt 40.000 US-Dollar fällig und die Anschaffungskosten dürften erst langsam mit größeren Stückzahlen der Elektrofahrzeuge sinken.

Start-Stopp-Automatik sowie Bremskraft-Energierückführung erste Schritte

"Derzeit spricht vieles für eine Teilelektrifizierung oder Hybridisierung des Antriebsstranges mit Start-Stopp-Automatik sowie Bremskraft-Energierückführung", erklärt Brauns.

Denn in Verbindung mit immer effizienteren Verbrennungsmotoren und dem Einsatz von Biokraftstoffen ergibt sich ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zur reinen Elektromobilität. Schließlich seien konventionelle Verbrennungsmotoren noch über Jahrzehnte hinweg die beherrschende Antriebsart und deshalb kämen Fortschritte in diesem Bereich der Umwelt unmittelbar zu Gute, wie Brauns betont: "Bei der Suche nach Konzepten für die Mobilität von morgen dürfen wir die heute machbaren Verbesserungen nicht außer Acht lassen. Denn beim gegenwärtigen Stand der Technik ist eine zuverlässige Prognose zur Zukunft der Elektromobilität fast unmöglich."

Quelle: Pressemeldung Deutsche BP AG

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