Manager unter enormem Druck
Trotz verschärfter Vorschriften verstoßen hochrangige Manager, aber auch die niederen Chargen immer wieder mal gegen Gesetze, missachten Vorschriften und verletzten die Normen ihrer eigenen Unternehmen. Das geschieht nicht immer absichtlich. Doch irgendjemand muss am Ende dafür den Kopf hinhalten, selbst wenn er nicht direkt daran beteiligt war. Die Verantwortung für alles, was im Unternehmen geschieht, liegt letztlich aber in der Chefetage.
"Die Directors & Officers-Versicherung schützt das persönliche Eigentum von Vorständen und Aufsichtsräten, wenn sie im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer Pflichten verklagt werden", erklärt Hartmut Mai, Leiter des Bereichs Financial Lines bei Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Immer öfter würden Manager wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Kein Allheilmittel
In den USA gibt es D&O-Versicherungen schon seit 30 Jahren. Bis vor kurzem waren dort AIG und Chubb die Marktführer. Weltweit liegt Lloyds in Front, jede dritte D&O-Versicherung trägt das Lloyds-Logo. Mitte der 90er Jahre wurde diese Versicherungsart auch in Europa populär, zu einem Zeitpunkt, als die Aufsichtsbehörden strengere Regeln für die Unternehmensleitung einführten.
Wenn sich Betrug, Fälschungen, Schwindel, Veruntreuung und Insiderhandel auf die Unternehmensgewinne auszuwirken beginnen, schrillen bei Aktionären die Alarmglocken. "Die meisten Klagen werden von Anteilseignern eingereicht", sagt Mai. In den USA geschieht dies oft in Form von Sammelklagen. Seit 2005 können auch in Deutschland Kollektivklagen von kleineren Gruppen vorgebracht werden. Davor sollen D&O-Versicherungen Schutz bieten.
Sie seien aber kein Allheilmittel für alle Vergehen im Unternehmen, warnt Mai: "Veruntreuung und andere Straftatbestände sind von der Deckung ausgeschlossen. Das sind kriminelle Aktivitäten, die Versicherungsgesellschaften weder abdecken können noch wollen." Die meisten Policen übernehmen die Verteidigungskosten, aber nur, wenn dem Angeklagten kein Vorsatz nachgewiesen werden kann.
Mai empfindet ein gewisses Mitgefühl für Manager. "In der heutigen Geschäftswelt, in der kurzfristige Entscheidungen die Norm sind, können einem recht schnell Fehler unterlaufen. Unmöglich, immer alles richtig zu machen", sagt er - zumal bei allen Aktionen immer auch noch die nationalen Vorschriften der Länder zu beachten sind, in denen Unternehmen vertreten sind.
Weltweit steigende Nachfrage
Das Geschäft mit D&O-Versicherungen und anderen Angeboten wie etwa Berufshaftpflichtversicherungen läuft nicht schlecht, doch noch ist nicht alles so, wie Mai es sich vorstellt. Trotz des weltweiten Interesses an dem Produkt, großes Geld ist damit derzeit nicht zu machen. "Wir haben gerade eine fünfjährige Niedrigpreisphase hinter uns", erläutert Mai. Doch ab dem dritten Quartal erwartet er einen deutlichen Sprung. 2010 könnte der Preis für D&O-Policen seiner Einschätzung nach unter Umständen schon doppelt so hoch sein wie heute.
Um mit der steigenden Nachfrage aus Ost- und Mitteleuropa, aus Asien, dem Nahen und Mittleren Osten, aus Südafrika und Brasilien Schritt zu halten, hat AGCS gerade 18 neue Mitarbeiter eingestellt. Mai setzt vor allem auf mittelständische Firmen. "Früher zeigten nur größere Industrieunternehmen Interesse an der Absicherung ihrer Top-Leute", sagt er. "Inzwischen ziehen aber auch kleinere Firmen nach." In vielen Fällen nehmen Unternehmen inzwischen auch Nicht-Vorstandsmitglieder, wie zum Beispiel ihren Chefaktuar, mit in die Police auf.
Neben der Absicherung sieht AGCS ihre Aufgabe zunehmend auch in der Beratung ihrer Kunden. "Es ist für Unternehmen nicht eben leicht, angesichts der sich ständig ändernden Aufsichtsregeln immer auf dem Laufenden zu bleiben", hebt Mai hervor. "Von daher sind sie für unsere Vorschläge zum Schutz ihrer Spitzenleute sehr offen."
Dieser Text basiert auf einem Artikel aus dem Mitarbeitermagazin "Allianz Journal".
Quelle: Pressemeldung Allianz
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