HSBC Trinkaus verhalten optimistisch für 2010

03.12.2009 | Düsseldorf
Schwaches Wachstum in Deutschland und der Eurozone, einen stabilen Euro, volatile Aktienmärkte und sinkende Attraktivität von Rentenpapieren - die Experten von HSBC Trinkaus und HSBC Global Asset Management (Deutschland) erwarten beim Presse-gespräch "Konjunktur und Märkte 2010" heute in Frankfurt für das nächste Jahr ledig-lich eine leichte Erholung.

Auch der europäische Automobilsektor müsse insgesamt mit einem weiteren schwierigen Jahr rechnen.

"Wir erwarten für die deutsche Volkswirtschaft eine Wachstumsrate von 1,4 Prozent für das nächste Jahr. Deutschland dürfte damit innerhalb der Eurozone beim Wachstum eine führende Rolle einnehmen", sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt und Leiter Treasury Research bei HSBC Trinkaus. Die Nachfrage nach Investitionsgütern werde vor allem wegen des kräftigen Konjunkturaufschwungs im asiatischen Raum in Kombination mit besseren Finanzierungsbedingungen steigen. Deutschland profitiere aufgrund seiner hohen Wettbewerbsfähigkeit von dieser Entwicklung besonders. Positive Impulse seien auch von der Fiskalpolitik zu erwarten, während der private Konsum wegen des Wegfalls der Abwrackprämie und der erwarteten Schwäche des Arbeits-marktes hinterherhinken werde. Das Wachstum für die Eurozone schätzt Schilbe lediglich auf 0,7 Prozent.

In den USA werde sich die beispiellose expansive Geld- und Fiskalpolitik auswirken. "Unsere Wachstumsprognose 2010 für die USA liegt bei 2,9 Prozent. Dies ist allerdings noch kein Garant für eine Rückkehr zu dauerhaft hohen Wachstumsraten", betont der Chefvolkswirt. Die privaten Haushalte würden zu stark unter dem Druck der hohen Ar-beitslosigkeit, der Überschuldung und dem schwierigen Kreditzugang leiden. Ein schwaches Wachstum beim Konsum sowie substanzielle Überkapazitäten werden den Preisdruck mittelfristig in Schach halten und die amerikanische Zentralbank bis 2012 zu einer Nullzinspolitik veranlassen.

Die EZB hingegen werde sukzessive aus der extrem expansiven Geldpolitik aus-steigen; erste Zinserhöhungen sind laut Schilbe jedoch aufgrund des geringen Teuerungsdrucks nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2010 zu erwarten. Den Euro-US-Dollar-Wechselkurs schätzt der Leiter Treasury Research auf 1,50 EUR/USD zum Jahresende 2010.

Christian Heger, Geschäftsführungsmitglied und Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland), blickt ebenfalls verhalten optimistisch ins nächste Jahr: "Grundsätzlich ist 2010 eine defensive Anlagestrategie sinnvoll. Trotz der leichten Konjunkturerholung engt der Rückgang der Risikoprämien für alle Asset-Klassen in diesem Jahr das Potenzial für das nächste ein." Für den Aktienmarkt rechnet der Chief Investment Officer mit einem spiegelbildlichen Verlauf zu 2009; einem freundlichen Auftakt dürften eine Korrektur im Herbst und dann eine Seitwärts-phase folgen. Der DAX werde Ende 2010 bei 6300 Punkten, der DJ Euro Stoxx 50 bei 3100 Punkten liegen.

Am Rentenmarkt seien langlaufende Bundesanleihen keine attraktive Anlage mehr. Als Beimischung geeignet bleiben laut Heger jedoch länger laufende Staatsanleihen aus Griechenland, Irland und Italien. Das Segment Corporate Bonds Investment Grade sei weiterhin eine attraktive Anlagealternative. Weitere Kursgewinne seien jedoch auf-grund des Rückgangs der Risikoprämien nicht zu erwarten und insbesondere lang laufenden Anleihen drohe bei einem Zinsanstieg ein Rückschlag.

"Zur Anlage des Jahres 2010 könnte die Asset-Klasse Emerging Market-Bonds wer-den", glaubt Heger. Die gute konjunkturelle Lage vieler Länder habe die Chancen auf Währungsgewinne erhöht. Gleichzeitig biete ein hoher Renditespread ein attraktives Polster. Wegen des Risikos steigender Zinsen seien jedoch kurze Laufzeiten zu bevor-zugen.

Für den europäischen Automobilsektor ist Horst Schneider, Senior Analyst Automotive Research bei HSBC Trinkaus, zumindest bis in den Mai 2010 zuversichtlich: "Dank der Zuschüsse durch Abwrackprämien sind die Auftragsbestände derzeit sehr hoch. Wir erwarten für Anfang des nächsten Jahres einen Rekordwert in den Auftragsbüchern der europäischen Massenhersteller."

Das zweite Halbjahr sei deutlich kritischer einzuschätzen, es gebe aber stützende Fak-toren: Der für Westeuropa zu erwartende Umsatzrückgang werde durch steigende Absatzzahlen in Osteuropa, Brasilien, Russland, China und den USA zum Teil kompensiert. Dem absehbaren Absatzrückgang bei Kleinwagen im A-, B- und C-Segment stände zudem ein Anstieg bei größeren Autos gegenüber; insbesondere den deutschen Automobilherstellern komme dies zugute. Für das Segment kleiner Nutz-fahrzeuge erwartet der Experte ebenfalls einen Anstieg von elf Prozent. Positiv sei, dass größere Autos und kleine Nutzfahrzeuge eine höhere Rentabilität aufweisen als Kleinwagen. "Der verbesserte Produktmix wird also auf der Ergebnisseite einen Teil des Absatzrückgangs in Westeuropa ausgleichen", so Schneider. Schließlich werden die Autoabsätze dank des anhaltend verbesserten Konjunkturklimas im nächsten Jahr weniger stark zurück gehen, als ursprünglich befürchtet wurde.

Quelle: Pressemeldung HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

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