Frauen zur Selbstständigkeit motivieren
Um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern und qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, ist es deshalb für das Handwerk sowie die Wirtschaft insgesamt unabdingbar, die Potenziale und Kompetenzen von Frauen zu nutzen.
Vor diesem Hintergrund fand in Mainz eine Tagung mit hochkarätigen Diskussionsteilnehmern statt. Fazit: Das Gründungspotenzial von Frauen ist längst noch nicht ausgeschöpft. "Wir begegnen der Wirtschaftskrise erfolgreicher als andere Branchen, und wir werden auch die demografische Entwicklung meistern", sind sich die stellvertretende Bun-desvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH), Claudia Philipp, und ihre rheinhessische UFH-Kollegin Christine Merkel-Köppchen sicher. "Schon jetzt sind 25 Prozent der Auszubildenden Frauen, und bei Neugründungen haben wir ähnliche Größenordnungen. Diese Entwicklung wird weitergehen, sicher schneller als in der Vergangenheit." Sozialstaatssekretär Christoph Habermann zeigte sich ähnlich optimistisch. Er wies darauf hin, dass das Handwerk bei dem Frauenan-teil in Führungspositionen deutlich über dem der Dax-Konzerne liege.
Größte Zugangsbarriere ist das Image des Handwerks als Männerdomäne. Wirtschaftsstaatssekretär Siegfried Englert forderte daher, das Interesse der Mädchen an den Naturwissenschaften und der Technik bereits in der Schule zu wecken. "Wirtschaftswachstum und Innovation werden gedämpft, wenn Unternehmerinnen fehlen." Daher habe es sich Rheinland-Pfalz zur Aufgabe gemacht, Existenzgründungen zu fördern und dabei die Frauen gezielt in den Blick zu nehmen. Ziel sei es, die unternehmerischen Ressourcen von Frauen zu stärken und sie auch in der öffentlichen Wahrnehmung sichtbar zu machen.
Die Handwerksrollen-Statistik der Kammer Rheinhessen weist aus, dass bisher nur jeder fünfte Betrieb von einer Frau geführt wird. Dabei konzentrieren sich Frauen eher auf dienstleistungsnahe Branchen wie etwa das Friseurhandwerk oder die Kosmetik. "Die Novellierung der Handwerksrolle hat neue Zugänge für Frauen geschaffen, die noch nicht genügend bekannt gemacht und wahrgenommen worden sind. Hier liegt noch großes ungenutztes Potenzial", sagte die Präsidentin der HWK der Pfalz, Brigitte Mannert. Woran liegt es, dass Frauen in einer Unternehmensgründung keine ernsthafte Alternative zu einem abhängi-gen Beschäftigungsverhältnis sehen, zumal, so Mannert, "derzeit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit in allen Berufen des Handwerks besonders günstig sind?"
"Oft sind geringes Eigenkapital, fehlende Kontakte zu Gleichgesinnten und potenziellen Kunden sowie fehlende unternehmerische Kenntnisse die Gründe", weiß Silke Eichten von der Handwerkskammer Rheinhes-sen zu berichten. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für viele Frauen eine Hürde, wie auch Prof. Astrid Kruse, Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld, in einer Untersuchung zum Gründungsver-halten von Frauen feststellte. Dabei setzen vor allem kleine und mittel-ständische Unternehmen sowie Handwerksbetriebe täglich familien-freundliche Maßnahmen um. Nur: "Sie nehmen es jedoch als solche nicht wahr", sagte Prof. Jutta Rump, Institut für Beschäftigung und Employability. "Es ist selbstverständlich und bedarf keiner großen Er-wähnung." Frauen, die gründen, tun dies mit großer Leidenschaft für ihren Beruf und der Freude an der eigenen Gestaltungsmöglichkeit, so Kruse aufgrund einer Befragung von Gründerinnen im Handwerk. Lei-denschaft und Kreativität bringen auch Maria-Anna Mayrock, Gugumus GmbH und Tanja Emler-Rupp, Hochheimer Scheune mit, die berichte-ten, dass für sie der Weg in die Selbstständigkeit der einzig richtige war und sie ihn jederzeit wieder gehen würden.
Um das berufliche Potenzial von Frauen zu fördern, hat die Handwerks-kammer 2008 das Projekt "SHE! Selbstständig Handeln Existenzgrün-dung ins Leben gerufen. "Es richtet sich an Frauen, die den Weg in die Existenzgründung suchen oder als Jungunternehmerinnen weitere Un-terstützung benötigen", fasst Projektleiterin Eichten zusammen. Seit Januar 2008 nahmen bereits 600 gründungsinteressierte Frauen und Jungunternehmerinnen Beratung und Qualifizierung in Anspruch.
SHE! wird durch Landesmittel des Wirtschaftsministeriums und aus Mit-teln des Europäischen Sozialfonds durch das Arbeitsministerium finan-ziert und voraussichtlich auch 2011 von diesen Ministerien gefördert werden.
Quelle: Pressemeldung Handwerkskammer Rheinhessen
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