Bundesregierung ignoriert Sorgen des Wissenschaftsnachwuchses

30.11.2010 | Berlin
Zur aktuellen Hochschul-Informations-System (HIS)-Studie "Wissenschaftliche Karrieren" erklärt Krista Sager, Sprecherin für Wissenschafts- und Forschungspolitik:

Die Bundesregierung muss die Beschäftigungsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs endlich auf die Agenda der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz derLänder heben. Die Daten aus der HIS-Erhebung sind alarmierend: Berufliche Unsicherheit bis ins fünfte Lebensjahrzehnt und die fehlende Planbarkeit machen die wissenschaftliche Karriere immer unattraktiver. Familie und Beruf sind gerade für Wissenschaftlerinnen kaum vereinbar. Im internationalen Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte und in der Konkurrenz mit privatwirtschaftlichen Arbeitgebern verliert das deutsche Wissenschaftssystem zunehmend den Anschluss. Die fehlende Planbarkeit der wissenschaftlichen Karriere entwickelt sich zur Achillesferse des gesamten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationssystems, das auf die Ausbildungsleistung der Hochschulen und hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen ist.

Die Hochschulen brauchen endlich eine aufgabengerechte finanzielle Ausstattung. Im internationalen Vergleich fehlen in Deutschland vor allem Dauerstellen für selbständige Forschung und Lehre unterhalb der Professur und Stellen mit kalkulierbaren Laufbahnperspektiven (Tenure Track). Bund, Länder, die Wissenschaftsorganisationen und die Hochschulen sind gefordert, in einer konzertierten Aktion die Personalstrukturen an den Hochschulen zu verbessern. Sonst verpuffen alle Bemühungen der Exzellenzinitiative, des Pakts für Forschung und Innovation und die Internationalisierungsstrategie, weil es für den hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs kaum realistische Anschlussperspektiven gibt.

Erst vor wenigen Tagen hat die Bundesregierung noch auf unsere Kleine Anfrage geantwortet, die Rahmenbedingungen für Beschäftigungsverhältnisse im deutschen Wissenschaftssystem seien insgesamt attraktiv. Doch das Gegenteil ist der Fall. 85 Prozent der Nachwuchswissenschaftler an den Universitäten beklagen laut der HIS-Studie die fehlende Planbarkeit der wissenschaftlichen Karriere. Nur 20 Prozent sind mit den Aufstiegsmöglichkeiten zufrieden oder sehr zufrieden. Über 90 Prozent der Nachwuchswissenschaftler sind nur befristet beschäftigt. Jeder zehnte befristete Arbeitsvertrag erstreckt sich dabei nicht einmal über ein halbes Jahr.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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