Abwrackprämie, Audi, Ford, Renault, Mitsubishi - aus auto motor und sport Heft 8/2009

26.03.2009 | Stuttgart
ZDK: Topf für Abwrackprämie ist Mitte April leer Rademacher fordert Aufstockung um 500 Millionen Euro - ams: Kaufverträge kommen wegen langen Lieferfristen nicht zustande

Die Abwrackprämie wird nach Schätzung des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) Mitte April aufgebraucht sein. Laut ZDK existieren bereits jetzt mehr als 460.000 Kaufverträge auf Basis der Prämie, sagte Verbandspräsident Robert Rademacher dem am Donnerstag erscheinenden Magazin auto motor und sport. "Um den 15. April wird der Topf nach unseren Hochrechnungen voraussichtlich leer sein", so Rademacher. Deshalb erneuert der ZDK seine Forderung an die Bundesregierung, die Prämie aufzustocken, um allen Autokäufern die Prämie zu sichern, die ein Auto bestellt haben. "Eine Aufstockung des Topfes um 500 Millionen Euro wäre für uns akzeptabel. Das würde für weitere 200.000 Anträge reichen und es käme Anfang April nicht zum Chaos", so Rademacher.

Wie auto motor und sport weiter berichtet, kommen bereits erste Kaufverträge aufgrund langer Lieferfristen nicht zustande. So beträgt zum Beispiel die Lieferzeit des Skoda Fabia nach Händlerangaben derzeit mehr als sechs Monate. Wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) dem Magazin bestätigte, kann ab dem 30. März die Prämie zwar reserviert werden, allerdings nur für ein halbes Jahr. Werden die Autos erst später ausgeliefert, verfällt die Reservierung. Aufgrund der großen Zahl der Anträge ist aber nicht damit zu rechnen, dass dann ein neuer Antrag noch Aussicht auf Erfolg hat.

Unterdessen zeichnet sich ab, dass auch Premiumanbieter von der Abwrackprämie profitieren. So hat BMW nach Informationen von auto motor und sport bislang 4.000 Fahrzeuge mit Abwrackprämie verkauft, vor allem Einser und Dreier. Aber auch der Fünfer wird von BMW jetzt verstärkt beworben. So gewährt der Hersteller derzeit 27 Prozent Rabatt auf Lagerbestände des Fünfers, der aktuell unter schwacher Nachfrage leidet. Das bedeutet Preisnachlässe von über 10.000 Euro schon bei der einfachsten Ausstattung.

Audi: Hersteller sollten sich auf Standards einigen

Entwicklungsvorstand Dick: "Wir müssen über unseren Schatten springen" - Keine E-Version des neuen A1 - Erster E-Audi geht 2014 in Serie

Ingolstadt. Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick hat den Wettbewerbern eine stärkere Standardisierung im Automobilbau vorgeschlagen, um die Kosten der Autohersteller besser in den Griff zu kommen. "Wir müssen einen Weg finden, die gemeinsamen Interessen zu bündeln und auch vieles zu standardisieren", sagte Dick der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe von auto motor und sport. "Darüber reden wir sehr intensiv und müssen lernen, auch einmal über unseren Schatten zu springen. Ich habe das Gefühl, dass sich in dieser Hinsicht in den letzten Monaten viel bewegt hat." Zuletzt hatten die Konkurrenten Daimler und BMW eine stärkere Kooperation angekündigt.

Zu spät ist es laut Dick, den neuen A1 auch in einer E-Version auf den Markt zu bringen. Vom neuen Kleinwagen, der vor allem gegen den Mini antreten soll, wird es laut Dick "in der ersten Generation erst einmal klassisch einen Zwei- und einen Viertürer, den A1 Sportback" geben. "Eine Elektrifizierung des Antriebsstrangs würde tiefe technische Einschnitte erfordern. Ob eine größere Serie denkbar ist, ist zurzeit aus technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch offen. Wir können uns aber vorstellen, eine Kleinserie aufzulegen, um die Technologie zu erproben. Das zeigen ja auch die beiden Studien zum A1, die wir gezeigt haben."

Beim künftigen A2 werde Audi dagegen einen Elektroantrieb direkt mit einplanen. Den ersten Elektro-Audi kündigt Dick für 2014 an. "Der Serieneinsatz eines voll elektrischen Fahrzeugs ist nach meiner Einschätzung frühestens 2014 möglich." Der A2 werde allerdings auf bereits vorhandenen Plattformen basieren, um Kosten zu sparen. "Wir werden für einen A2 sicher keinen eigenen Baukasten entwickeln, denn das ist nicht finanzierbar. Da haben wir mit den Möglichkeiten im Konzern eine gute Basis für unsere Fahrzeuge."

Zudem plant Audi eine Variante des VW Up und wird damit noch einen Kleinwagen unterhalb des A1 anbieten, wie Dick bestätigt. "Wir sind noch in der Diskussion über die Rahmenbedingungen. Ebenso wird über die Radstände sowie das Antriebskonzept noch diskutiert. Wir sind auch der Meinung, dass wir gerade in diesem Segment einen reinen Elektroantrieb anbieten sollten."

Deutsche Ford-Modelle sollen US-Markt erobern

Fleming: "Wir kommen ohne Staatshilfen durch die Krise"

Köln. Der angeschlagene Ford-Konzern will sein US-Geschäft vor allem mit deutschen Ford-Modellen beleben. Die meisten Modelle der Kölner Fordwerke sollen künftig auch in den USA angeboten werden. Ford Europa-Chef John Fleming nannte im Gespräch mit dem am Donnerstag erscheinenden Magazin auto motor und sport die Modelle Fiesta, Focus und Transit Connect.

Allerdings werden die Modelle im Dollar-Raum produziert. "Wir starten mit dem neuen Fiesta 2010 in Cuautitlàn in Mexiko. Eine genaue Zahl steht noch nicht fest. Aber glauben Sie mir: es ist eine große Fabrik", so Fleming. "Der Fiesta wird kein Nischenprodukt sein. Wir sind davon überzeugt, dass auch die US-Kunden bereit sind kleinere Autos zu kaufen, ohne auf den gewohnten Komfort verzichten zu müssen. Das wird am US-Markt ein neuer, großer Wettbewerb zwischen den Herstellern." Für den Fiesta sieht Fleming sehr gute Marktchancen in den USA. "Ich glaube, es werden nicht viele Autos mit dieser guten Produktsubstanz zu einem wettbewerbsfähigen Preis in der nächsten Zeit in den USA angeboten werden. Das ist eine großartige Gelegenheit für uns." Nach Informationen von auto motor und sport werden in Cuautitlàn im ersten Jahr rund 70 000 Einheiten produziert, später sollen es gut 120.000 werden.

Nach dem Fiesta würden auch die nächsten Generationen des Ford Focus und des Transit Connect den USA angeboten, so Fleming. Der Focus wird ab Ende 2010 in Michigan und Louisville gebaut. Über weitere Modelle habe Ford zwar laut Fleming noch nicht entschieden, doch nach Informationen von auto motor und sport soll 2012 die Produktion des Ford C-Max, des Fusion und des Ka in Nordamerika anlaufen. "Wir sind auf dem richtigen Weg, immense Skaleneffekte innerhalb der globalen Ford-Welt zu erzielen", so Fleming.

Zuversichtlich ist Fleming, das Ford in Europa ohne weitere Einschnitte auskommen wird. "Bis August liefen die Werke auf 105 bis 110 Prozent der Auslastung, also am Limit. Mit der Krise mussten wir auf rund 80 Prozent Auslastung und eine Vier Tage-Woche herunterfahren. Wenn der Markt auf dem derzeit niedrigen Niveau bleibt, sind wir erst mal auf der sicheren Seite." Erst bei weiteren Absatzeinbrüchen müsse Ford reagieren. Allerdings werde Ford die Krise auf jeden Fall ohne Staatshilfe überleben. "Wir gehen davon aus, dass Ford Europe keine Staatshilfen brauchen wird." Allerdings werde der Hersteller einige Modelle verschieben, um Kosten zu senken. "Wir haben wichtige Volumenmodelle wie Fiesta und Ka gerade erneuert, werden aber einige wenige Neueinführungen wegen der Krise um bis zu zwölf Monate nach hinten verschieben."

Das Interview mit John Fleming finden Sie im Wortlaut auf www.auto-motor-und-sport.de

Renault-Vize: 100.000 E-Autos schon 2012

Pélata: Bis 2010 keine Werksschließungen - Renault-Preise eingefroren - Pélata glaubt an Erfolg des Batteriewechsels an der Tankstelle

Paris. Renault will als erster Hersteller massiv in die Serienfertigung eines Elektrofahrzeugs investieren. Schon 2012 werde Renault mehr als 100.000 Elektrofahrzeuge im Werk Flins bei Paris produzieren, kündigte Renault-Vize-Präsident Patrick Pélata im Gespräch mit dem am Donnerstag erscheinenden Magazin auto motor und sport an. "Unsere ersten Elektroautos kommen Mitte 2011 in kleinen Flotten und in Israel zum Einsatz. Ab 2012 wollen wir im Werk Flins bei Paris aber bereits mit einer größeren Serienfertigung beginnen. Zunächst wollen wir 100.000 Einheiten im Jahr bauen, mittelfristig rechnen wir mit 200.000."

Diese Zahlen seien aber nur möglich, wenn die Autofahrer die Batterien nicht kaufen müssen, sondern mieten können. "Eines ist klar: Wenn der Kunde die Batterie mitkaufen muss, wird es keine Elektroautos geben. Das ist einfach zu teuer. Bei unserem Auto wird die Batterie inklusive Strom deshalb zu einem monatlichen Festpreis gemietet." Der Anschaffungspreis des Elektrofahrzeuges solle deshalb im Rahmen eines normalen Kleinwagens liegen. "Für den Kunden wird der reine Kaufpreis vergleichbar mit dem eines normalen Kleinwagens sein, also zwischen 12.000 und 14.000 Euro liegen. Die Gesamtkosten sind abzüglich der Steuervorteile eines Null Emissionsautos aber spürbar niedriger als die effizienter Diesel-Autos von heute", so Pélata. "Nach unseren Berechnungen lohnt sich das Elektroauto plus monatliche Batterie-Miete für Fahrer, die über 12.000 Kilometer im Jahr fahren."

Überzeugt ist der Renault-Vize, dass sich der Batteriewechsel an der Tankstelle durchsetzen wird. "In einem Werk können wir einen Motor in einer Minute in ein Auto einbauen, und das ist viel komplizierter. Ich denke, der Batterietausch wird an einer Tankstelle nicht mehr als drei bis vier Minuten dauern. Wir werden die Technik auf der IAA in Frankfurt im September der Öffentlichkeit vorstellen. Da kann sich dann jeder davon überzeugen, dass es funktioniert."

Zuversichtlich ist Pélata, dass Renault bis einschließlich 2010 trotz der starken Absatzrückgänge keine Werke schließen muss. Die Vereinbarungen mit den Gewerkschaften würden Renault die nötige Flexibilität geben, um Entlassungen und Werksschließungen zu vermeiden. "Wenn Sie in Frankreich, Deutschland oder Spanien Mitarbeiter entlassen oder Werke schließen wollen, ist das im ersten Moment sehr teuer", so Pélata. Deshalb seien die mit den Gewerkschaften vereinbarten Flexibilisierungen die bessere Lösung. "Wir haben uns mit der Gewerkschaft bereits weitestgehend auf eine sehr flexible Regelung bei der Kurzarbeit geeinigt, mit der wir die Krise in diesem Jahr ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen durchstehen können. Auch für 2010 könnte diese Regelung weiter greifen. Darüber hinaus gibt es derzeit keine Pläne."

2009 hofft Pélata, dass sich Renault und Dacia trotz starker Absatzrückgänge besser als der Markt entwickeln. "2007 wurden weltweit fast 69 Millionen Autos verkauft, für dieses Jahr erwarte ich einen Gesamtmarkt in einer Größenordnung von rund 54 Millionen. Das sind etwa 20 Prozent weniger. In Europa wird der Rückgang wohl noch stärker. Von diesen Entwicklungen können wir uns nicht abkoppeln. Wir wollen aber den Marktanteil von Renault und Dacia in dieser Zeit erhöhen. Während der Gesamtmarkt in Europa vielleicht um rund 25 Prozent zurückgeht, wollen wir nur 15 bis maximal 20 Prozent an Volumen verlieren."

Für die Zukunft kündigt Pélata an, dass Renault-Modelle im Preis nicht mehr steigen werden. "Klar ist für Renault: Neue Modelle dürfen höchstens noch so teurer sein wie das Vorgängermodell - und das trotz der Umweltanforderungen wie der neuen Abgasnormen Euro 5 und Euro 6, hoher Sicherheitsstandards oder des Wunsches der Kunden nach mehr Komfort und Ausstattung."

Mitsubishi-Chef Masuko: Wir setzen auf Öko

statt auf Motorsport

SUV-Flotte wird am 2013 mit Hybrid-Antrieben ausgestattet - Elektro-Modell iMiEV wird in Europa teurer als 20.000 Euro

Stuttgart. Nach dem angekündigten Ausstieg aus dem Motor- und Rallyesport will der japanische Autohersteller Mitsubishi trotz seiner schweren Geländewagenflotte künftig sein Öko-Image schärfen. "Heute sind Umwelt-Themen wichtiger geworden als Motorsport", sagte Mitsubishi-Chef Osamu Masuko dem Magazin auto motor und sport. "Wir begreifen es als Mission, alle unsere Anstrengungen auf die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien zu fokussieren." Im Motorsport habe Mitsubishi die Siegfähigkeit unter härtesten Bedingungen bewiesen. "Nun sehen wir es als unsere Aufgabe an, emissionsarme Autos zu entwickeln. Das bedeutet wesentlich höhere Investitionen als beim Motorsport."

Allerdings werde Mitsubishi seine SUV-lastige Modellpalette nicht vom Markt nehmen, kündigte aber an, SUV in vier Jahren mit Hybrid-Antrieben auszustatten. "Wir werden künftig nicht auf diese Fahrzeuge verzichten, sondern rüsten sie ab 2013 mit einer Plug-in-Hybrid-Technologie aus."

Als erstes Elektrofahrzeug werde iMiEV noch dieses Jahr in Europa auf den Markt kommen. "In diesem Sommer wird das Auto in Japan eingeführt, Ende 2009 starten wir in Großbritannien. Die Linkslenker-Version folgt in der zweiten Jahreshälfte 2010." Ein Preis von 20.000 Euro, wie in der Branche spekuliert wird, wird Mitsubishi aber nicht erreichen. "Preise stehen noch nicht fest, aber der iMiEV wird nicht so günstig, wie Sie vermuten", sagte Masuko. Der iMiEV kann nach Einschätzung Masukos Basis für eine Elektro-Modellfamilie werden. "Wir können auf der vorhandenen Basis ein Standard-Modell, eine Version für gewerbliche Zwecke und eine besonders sportliche Variante realisieren."

Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG

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